Pyjama - das neue Business - outfit?
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Pyjama – das neue Business-Outfit?

Ein Pyjama für Tag und Nacht

Noch nie gab es einen Trend, der dem Satz ,Ich bin gerade erst aufgestanden’ so sehr entsprochen hat. Die Ästhetik besticht bei Tage, kommt aber erst am Abend als moderne, verführerische Alternative zum Smoking so richtig zur Geltung. Mit Riemchensandalen und einer Statement-Clutch erhält Olivia von Halles klassischer mit Paspeln besetzter Pyjama schnell einen luxuriösen statt lässigen Charakter.”

Ich bin ein wenig verwirrt. Finde ich das minimalistisch cool oder einfach bescheuert?

Ein Pyjama ist dem männlichen Anzug sehr ähnlich. Könnte also die neue Business-Kleidung für alle sein.

Endlich Gleichberechtigung im Business-Outfit?

Bei weiteren Überlegungen, kann ich nur wieder alles falsch machen und stehe voller Selbstzweifel vor dem Spiegel.

Ist der Pyjama zu weit? – zu wenig weiblich.

Ist er zu eng? – zu weiblich

Soll ich ihn bis zum letzten Knopf schließen? – verklemmt.

Zu weit aufgeknöpft? – zu sexy.

Die Hose zu kurz? – zu viel Bein.

Die Hose zu lang? – die hat wohl keinen Schneider.

Die Farbe? – zu bunt, schon wieder schwarz.

Business-Outfit Anzug – für den Mann

Vor der französischen Revolution war es an den Männern Beine, Po und Geschlecht zu zeigen. Die Frauen verbargen dies. Nach der Revolution änderte sich das. Die Männer vermieden die Betonung der Körperlichkeit, der körperbedeckende Anzug hielt Einzug und wurde zum Statement eines kollektiven Ausdrucks der Männlichkeit – eine Berufsuniform.

Die Geschichte des Anzugs ist die Geschichte der modernen Geschäftswelt. Eine Welt der Männer, wo bewusst die Frau ausgeschlossen wurde.

Seit der französischen Revolution sind die bestimmenden Institutionen männliche Kollektive. Die Einzigartigkeit des männlichen Körpers wird aufgehoben zu einem Kollektivkörper mittels der Uniformierung des funktionalen Anzugs.

Die Repräsentation von Macht ist nun an den sexuell unmarkierten Körper gekoppelt.

Frauen werden zu Fremdkörpern in diesen Kollektiven. Interessanterweise kommt der Ausschluss von der Macht in der Frauenmode zum Ausdruck dadurch, dass sie das aufnimmt, was früher Macht war – die Zurschaustellung des Körpers und seiner erotischen Reize.

Dem Kollektiv der Männer steht jetzt die individuell angezogene Frau mit der Zurschaustellung ihres Körpers gegenüber.

Business-Outfit  für die Frau?

Die Frau die selbstbestimmt, wie sie ausschauen möchte. Dem entsprechend bunt ist das Bild – Kleid, Rock, Hose, Anzug, Kostüm in allen Varianten von klassisch elegant bis zum Freizeit-Look.

Die Frau die sich keinesfalls in ein Kollektiv einordnen möchte.

Seit dem Ende der Revolution übernimmt die Damenmode, was vor der Revolution verpönt war – die Mode der körperlich aggressiven Männer. Ihr Zeichen war extravagante Kleidung, die ins Auge sticht und ein Zeichen von Macht und Privileg war. Die weibliche Mode war geprägt vom verhüllen, verschleiern und erahnen.

Frauen bemühen sich, selbst wenn sie hart arbeiten, zu zeigen, dass sie sich nicht von der Berufswelt vereinnahmen lassen. Trotz allem Stress wollen sie zeigen, dass sie Zeit und Muße haben, sich den schönen Dingen des Lebens zu zuwenden. Die vollkommene Freiheit von den Zwängen der Norm der männlichen Berufswelt.

“Dress for success”

Wer kennt das nicht? Ist das nicht verrückt?

Gut, es ist schon ein riesiger Fortschritt, das wir uns individuell anziehen können und nicht mehr dem Gesamtkonzept ‘Frau fällt nicht auf’, passt sich nahtlos der Umgebung an, das Kleidermuster verschmilzt mit der Tapete, genügen müssen.

Das Problem Weiblichkeit und Kompetenz zu vereinbaren ist damit nicht gelöst.

Ist nicht an der Zeit, in der Zeit, in der wir immer weniger Zeit haben, daran etwas zu ändern?

Was für eine Energie- und Zeitverschwendung so zu tun, als würden wir uns nicht von der Berufswelt vereinnahmen lassen? Warum die Welt glauben lassen, wir hätten nichts anderes zu tun, als uns um unsere Kleidung, unser Aussehen zu sorgen?

  • Die komplizierte Auswahl beim Kauf der Kleidung – steht mir das oder vielleicht jenes besser – die berühmte Entscheidung Birne oder Apfel?
  • Der Aufwand sich ständig neu erfinden zu müssen.
  • Am Abend oder am Morgen die Frage: Was für ein Termin steht an?
  • Dann all die Zweifel vor dem Spiegel – zu gewagt, zu leger, zu viel Sex-Appeal….

Lösung des Problems – Welches Business-Outfit ist das Richtige?

Eine Uniform für Frauen ist mir leider nicht eingefallen.

Mir gefällt aber die Lösung von Matilda Kahl ausgesprochen gut. Sie war genervt von der täglichen Kleiderwahl. Sie kaufte 15 identische Blusen und sechs Hosen. Diese trägt sie seit drei Jahren jeden Tag.

Ganz so radikal war meine Lösung nicht. Ich habe meinen Kleiderschrank gesichtet und mich für 3 Winter- und 3 Sommerhosen in schwarz und eine dazu passende Auswahl an Blusen in schwarz, weiß und beige entschieden. Alle Kleidungsstücke sind miteinander kombinierbar.

Weist Du was das Interessanteste daran ist? Mein Out-fit hat sich nicht verändert.

Der Vorteil: Ich habe einmal eine Entscheidung getroffen statt das ich täglich neu entscheiden muss.

Vorteile einer täglichen Uniform:

  • Zeitersparnis – die eingesparte Zeit kann für die eigene Wertschätzung verwendet werden
  • tägliche Entscheidungen entfallen – spart eine Menge an Energie, weil der tägliche Entscheidungsprozess entfällt und gleichzeitig entfällt die Reue eventuell doch eine falsche Entscheidung getroffen zu haben
  • tägliche Zweifel entfallen – das gibt Sicherheit für den Tag
  • tägliches Auftreten in einem unverwechselbaren, einzigartigen und persönlichen Stil

Die Basis dafür kann das “Aufräumen nach der Methode von Maria Kondo” sein.

Da das Wort “Uniform” zu Assoziationen verleitet, die ich nicht mag, finde ich es angenehmer es als Stil zu bezeichnen.

Ich habe einen für mich passenden minimalistischen Stil für das Büro kreiert.

 

Das heißt nicht, das ich Mode nicht mag. Der Alltag ist dem minimalistischen Stil vorbehalten, ansonsten ist alles erlaubt. Es liegt auch ein Reiz verborgen in der Inszenierung der Weiblichkeit. Ich empfinde es als großartig, das wir in einer Zeit leben, in der modisch alles möglich ist.

Deshalb ist die neue ”Pyjama-Mode” vielleicht doch einen Gedanken wert.

Wenn ich ein neues Büro-Outfit benötige, warum nicht mehrere schicke Pyjamas kaufen? Ich kann sie ins Büro anziehen, am Abend zum Ausgehen und sogar ins Bett – ein Allround-Kleidungsstück.

Keine Entscheidungen mehr – am besten einen Pyjama ohne Knöpfe, dann braucht es auch da nicht die Entscheidung zu viel oder zu wenig aufgeknöpft.

Am besten würde es mir gefallen, wenn Männer und Frauen den Pyjama zu ihrem Lieblingskleidungstück zu allen Tages- und Nachtzeiten machen würden – endlich Gleichberechtigung, wenigstens in der Mode. Das hätte den Vorteil, dass weder Mann noch Frau die vermeintliche Sicherheit aus einer Tradition generieren.

Der Pyjama das neue Business-Outfit für die Lady und den Gentlemann.

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Was meinst Du?

Einen wundervollen Tag

Birgit

Danke für einen Kommentar

 

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