Warum ist Gleichberechtigung so schwer zu leben?
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Warum ist Gleichberechtigung so schwer zu leben?

Wir Frauen beklagen uns oft, dass wir noch immer den größten Teil des Haushalts erledigen, mehr Zeit als der Partner für die Kinder aufwenden, trotz Gleichberechtigung. Und was hört man oft von Chefs ob männlich oder weiblich?  – zu viel Arbeit, zu viele Überstunden. Warum tun wir uns das an?

In Seminaren und Vorträgen über “Führung” taucht immer der Punkt, die Schwierigkeiten einer Führungskraft die aus dem operativen Geschäft kommt auf. Eines Tages stellte sich  die Verbindung in meinem Kopf ein, ja genau, das kenne ich von Frauen im Haushalt, von Mütter und Frauen in Chefpositionen und mir – ich habe auf jede Frage meiner Kinder eine Antwort und weiß ziemlich genau, wie was zu tun ist. Kommt Dir das auch bekannt vor?

Es gibt im engl. dafür den Begriff maternal gatekeeping.

„Maternal Gatekeeping“

“Soziologen, die bekanntermaßen dazu neigen, Phänomene zu pathologisieren, haben für dieses Symptom das Emblem des „Maternal Gatekeeping“ gefunden. Die mütterlichen Türsteher, so die These, halten ihre Männer von familiären Aufgaben ab, weil sie den Mann nicht als gleichberechtigten und gleichermaßen kompetenten Elternteil akzeptieren und aus ihrer häuslichen Herrschaftsdomäne einen Teil ihres Selbstbewusstseins ziehen. Eine Langzeitstudie des deutschen Familien- und Sozialforschers Wassilios Fthenakis kommt zu dem Ergebnis, dass etwa jede fünfte Frau den väterlichen Einsatz im Familienleben ausbremst.”

Warum tut Frau das?

Von den öffentlichen Ämtern waren die Frauen ausgeschlossen. Was war historisch gesehen ihr Terrain? – Haus und Familie. Das war der Bereich in dem sie Macht hatte und Kontrolle ausüben konnte.

Was erreiche ich mit Kontrolle und Macht?

Indem ich Kontrolle ausübe, gebe ich niemanden Raum seine eigenen Erfahrungen zu machen. Ich lasse nicht zu das irgendetwas gelernt wird. Ich lasse nichts anderes zu als was ich für richtig halte.

Ein System was von mir abhängig ist,  wird assoziiert mit Macht und ich habe die Kontrolle.

Doch Kontrolle ist nur ein vermeintlicher Schutz vor Bedrohung.

Was bedroht mich, wenn das Kind das Brot nicht so schmiert, wie ich es mir vorstelle – es tut nicht das was ich sage.

Meinen Wert beziehe ich daraus, das getan wird was ich sage.

Bei genauer Betrachtung ist Kontrolle wirklich anstrengend, ständig befinden wir uns im Widerstand zu allen anderen Individuen. Welch ein Wunder, dass wir ständig erschöpft und müde sind und Erholung benötigen. Warum ist uns Kontrolle so wichtig?

Ein weiblicher Gen-Defekt?

Leider oder “Gott sei Dank” – nein.

Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Geschäftsleben

Die Statistiken zeigen, dass die Männer genauso wenig gern die Kontrolle über ihr Terrain abgeben, wie das weibliche Geschlecht.

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei Unternehmen ab 500 Mitarbeitern liegt aktuell nur bei 8,7 Prozent. Der Frauenanteil in den Vorständen der 100 beziehungsweise 200 größten deutschen Unternehmen betrug im Jahr 2012 sogar nur spärliche 4,0 Prozent.

Eine Studie des „Center for the Study of Women in Television and Film“ in San Diego (via Variety):  Wissenschaftler haben die Rollen von Frauen in den Film-Blockbustern von 2014 genauer unter die Lupe genommen. Demnach sind gerade einmal 12 Prozent der Protagonisten weiblich, der Wert hat sich in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert. Und sehr häufig werden Frauen in Hollywood-Filmen durch ihre Funktion definiert, etwa als Freundin, Mutter oder Ehefrau. Doch nicht nur in Bezug auf Hauptrollen sind die Studienergebnisse von Interesse. Zentrale Nebenrollen werden nur zu 29 Prozent von Frauen gemimt, lediglich 30 Prozent der Sprechrollen von Darstellerinnen.

Silicon Valley wird überwiegend von weißen Männern regiert. Egal ob Google, Facebook, Apple oder Twitter: Frauen machen nur rund 30 Prozent der Belegschaft aus, belegen Zahlen aus dem Jahr 2014. In den Führungsebenen der Unternehmen dünnt sich ihre Zahl noch weiter aus.

Was haben das Chefbüro und die Küche gemeinsam?

Mann:  “Gleichberechtigung?  – Gern, wenn du dich so verhältst, wie ich.”

Frau:   “Gleichberechtigung?  – Ja, wenn du dich so verhältst, wie ich.”

Sind unsere Ziel unterschiedlich?

Wir wünschen uns alle weniger zu arbeiten und doch unsere Ziele zu erreichen, weniger Konflikte, Spaß und eine fruchtbare Zusammenarbeit. Wir wünschen uns, dass neue Ideen entstehen, wir uns gegenseitig inspirieren, Fehler eine Quelle des Lernens sind.

Schwierigkeiten bei der gemeinsamen Zielerreichung

Momentan erinnert die Situation der Gleichberechtigung eher an einen Revierkampf rivalisierender Hirsche um das Paarungsrecht.

Das Resultat sind unmotivierte Männer für die Haushalts- und Kinderversorgung, zu viele unmotivierte Frauen für Chefpositionen, unmotivierte Kinder bei der Hilfe im Haushalt, unmotivierte MitarbeiterInnen.

Es ist immer noch ein zögerliches Auftreten von seitens der Frauen im Geschäftsleben zu beobachten. Das gleiche zögerliches Auftreten können wir sehen von seitens der Männer im Haushalt und in der Kindererziehung.

Da wo man ungeübt ist macht man Fehler.  Lassen wir sie zu, lassen wir einfach los.

Was benötigen wir für eine gemeinsame Zielerreichung?

  • gemeinsame Zieldefinition

zum Beispiel gemeinsam Spaß haben

  • Freiheit – weniger Kontrolle

“Man muss sich frei fühlen, damit neue Dinge sich entfalten können, frei davon, dass jeder Fehler kritisiert wird.”

Es ist schwer, wie ich aus eigenen Erfahrungen berichten kann. Einfach machen lassen und wertschätzen und freuen, dass es gemacht wird. Ein Essen genießen,  dass die Kinder gekocht haben und vielleicht gewöhnungsbedürftig ist. Mittlerweile liebe ich es, wenn unsere Kinder kochen, völlig egal wie unperfekt das Essen ist.

Haben unsere Eltern uns nicht genügend vermiest, weil wir es ihnen nie recht machen konnten?

  • eine Fehlerkultur

Nur aus Fehlern lernen wir, nur aus Fehlern entsteht Neues:

Ein leckeres Essen, weil ein Gewürz fehlt und ich ein anderes ausprobiert habe, oder beim Malen eine Farbe beim Mischen nicht so gelungen ist, wie ich es mir vorstellte und es ergab eine ganz Neue Inspirationen, oder ein verwackeltes Foto, dass für viel Spaß und Lachen gesorgt hat.

Viele Erfindungen von denen wir profitieren, entstanden durch Fehler:

“Fehler – so ein Glück”

1903 – Edouard Benedictus: Sicherheitsglas – Dank eines Missgeschicks

Dem französischen Chemiker Edouard Benedictus fiel eine Flasche vom Tisch. Das Glas zersprang in tausend Scherben, doch die Flasche behielt ihre Form. In der Flasche hatte er Kollodium (nitrierte Zellulose in einer Mischung aus Ether und Alkohol) aufbewahrt. Die flüssigen Bestandteile waren längst verdunstet, zurück blieb ein durchsichtiger Nitrozellulosefilm an der Innenseite der Flasche, der die Scherben zusammenhielt. Als er später Zeuge eines Autounfalls wurde, fand Benedictus das perfekte Anwendungsgebiet für seine Entdeckung: Sicherheitsglas

Weitere Erfindungen, die aus Fehlern entstanden, findest Du in dem Artikel 15 Erfindungen, die nur dank Fehlern gemacht wurden.

Warum Fehler glücklich machen können?

  • es kann Neues daraus entstehen, manchmal sofort, manchmal später
  • ich kann lernen, wie ich es das nächste mal anders machen kann
  • keine Selbstkritik, keine Kritik von anderen – kein Energieverlust
  • angstfrei lernen
  • ich habe Energie eine Lösung zu suchen
  • keine Energie- und Zeitverschwendung einen Schuldigen zu suchen

Fehler zulassen bei uns und anderen ist entspannend und gibt neuen Kreationen Raum. Wir sollten uns alle immer wieder fragen, warum Fehler so schlimm für uns sind?

  • Vertrauen

Teilen wir uns die Arbeiten,vertrauen wir.

  • Wertschätzung

Wertschätzung ist die beste Form der Energiesteigerung. Männer, Frauen und Kinder machen sich nicht jederzeit und dauernd glücklich, doch sie tragen jederzeit zur Bereicherung des Lebens bei.

Fazit

Ich denke, die Lösung ist, als erstes unsere eigene Kontrollsucht und Fehlerangst zuerkennen. Zu sehen wie willkürlich und sinnlos unsere Kontrolle ist und wie sie damit ein gemeinsames miteinander verhindert.

Lasst uns gemeinsam Tanzen mit Fehlern, statt rivalisierende Hirsche spielen.

Einen wundervollen Tag

Birgit

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