Der wesentliche Fehler, wenn wir nein sagen
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Der wesentliche Fehler, wenn wir nein sagen

Nein sagen, wird als Strategie für weniger Stress, als Strategie für Konfliktlösung immer wieder empfohlen. Nein kann ich gut sagen, doch irgendetwas unfassbares hat mich immer wieder daran gestört. Ich will keinen Stress, ich will nicht für alles verantwortlich sein und ich will auch nicht alles immer erledigen, wenn ich gefragt werde. Davon ausgehend, dass ich mein Leben 100% selbst gestalte, muss ich also immer etwas mit der Frage, Bitte oder Situation zu tun haben. Nur was?

Akzeptieren wir wirklich alles an uns selbst?

Selbstakzeptanz ist die Voraussetzung von Vertrauen in uns selbst. Ein Teil der Selbstakzeptanz ist die Wertschätzung für alles, was wir an uns mögen und wunderbar vollbracht haben.

Doch was ist mit den unangenehmen Erfahrungen, mit den Bitten und Fragen die uns nerven und wo ich gern nein sage dazu.

Lange habe ich mich damit beschäftigt, wie ich mit den unangenehmen Erfahrungen, Bitten und Fragen in meinem Leben umgehen kann. Immer wieder bemerkte ich Selbstkritik, wenn irgendetwas nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Genauso schlimm ist es, wenn ich mit Fragen konfrontiert werde, die ich am liebsten mit Nein beantworte. Es fühlt sich selten richtig an und es bleiben meist Zweifel.

Wie steuert ein guter Kapitän sein Schiff?

Das Verhalten eines guten Kapitäns auf einem Schiff macht es recht deutlich, das die Voraussetzung für Akzeptanz und Vertrauen immer erst ein mal ein Ja zu allem ist, was uns begegnet. Nach dem wir “Ja” gesagt haben, ist es auch nicht nötig die Situation noch zu bewerten oder zu urteilen “…welch ein Mist..”.

Unser Leben ist wie ein Segelboot. Wir haben alles an Bord, was wir für eine Reise benötigen. Auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen, alle Weltmeere bei ruhiger See, angenehmen Temperaturen und dem passenden Wind, nicht zu stark, aber auch keine Flaute zu überqueren, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass es passiert. Und ehrlich, es wäre doch auch ein wenig langweilig.

Doch unser Boot hat alles an Bord was wir für eine richtige Navigation benötigen. Wir sind Kapitän des Schiffes, obwohl wir nicht wissen, wie Morgen die Windstärke ist, ob es regnet oder die Sonne scheint, die Wellen voller Kraft backbord schlagen oder ob wir bei Flaute ein Sonnenbad genießen können.

Nichts desto trotz sind wir Kapitän dieses Schiffes und zwar in jedem Moment unseres Lebens. Was tut ein Kapitän auf seinem Schiff, wenn ein Unwetter droht? Geht er erstmal in Deckung und fühlt sich bedroht vom Sturm? Verlässt er gar das Steuer, weil ihm das Gewitter nicht passt? Sagt er: ”Nein das will ich nicht, nein, nein, niemals…” Was passiert, wenn er das tut?

– ein führerloses Schiff trudelt über die Wellen, es kann gut gehen, muss aber nicht – hoffen auf die rettende Hand des Schicksals? Sieht nicht oftmals unser eigenes Leben so aus?

Oder sagt er: Ja, so ist es wohl. Wie kann ich mein Schiff am besten durch das Unwetter steuern? Oder gibt es eine andere Route, wo die Wetterbedingungen anders sind? Hilft es Ihm, über die Situation zu schimpfen, sich als Opfer zu fühlen?  Wenn er nicht ja zu dieser Situation sagt und seine gesamte Aufmerksamkeit auf sich richtet, sieht er keine Wahlmöglichkeiten, sondern reagiert automatisch und ist wütend und voller Aggression auf die katastrophalen Wetterbedingungen.

Worauf richtet er seine Aufmerksamkeit? Darauf das schon x Schiffe, bei so einem Sturm Schiffbruch erlitten haben oder nimmt er es als Herausforderung an?

Entscheidungen trifft der Kapitän immer erst nach dem er ja, so ist es, gesagt hat. Er bestimmt zu erst seine Position und Situation. Daraufhin trifft er eine Entscheidung. Es werden die objektiven Bedingungen evaluiert als Entscheidungsgrundlage. Der Kurs ist so in Ordnung oder nein, wenn ich auf diesem Kurs bleibe fahre ich direkt in das Zentrum des Sturms. Was will ich? Ist das günstig für mich oder gibt es einen anderen Weg? Die richtige Entscheidung ist seiner Intuition zu vertrauen.

Dann steuert er voller Vertrauen in die Fähigkeit seines Schiffes und seiner Entscheidung sein Schiff.

Das Wetter kann er nicht kontrollieren, doch er kann sich und dem Schiff vertrauen und in jedem weiteren Moment eine neue Entscheidung treffen, auf der Grundlage der jeweiligen Situation.

Was können wir von einem Kapitän für unseren Alltag lernen?

Genauso funktioniert es im Alltag. Du fragst mich, ob ich Dir heute bei den Partyvorbereitungen helfen kann und ich habe mich auf einen freien Nachmittag seit langer Zeit gefreut.

Automatisch würde ich nein sagen und danach quälen mich die Zweifel, jetzt findet sie/er mich vielleicht…. . Sage ich ja, bin ich sauer auf mich, weil ich nicht das getan habe,was ich wollte. Der Fehler ist, das wir automatisch reagieren und uns nicht bewusst entscheiden auf der Grundlage, dass diese Frage irgendetwas mit mir zu tun hat.

Wie kann ich den inneren Konflikt lösen?

Ja, diese Frage ist jetzt in meinem Leben. Jetzt kann ich wählen. Ich frage mich, gibt es dabei etwas, was mir wirklich Spaß macht? Mag ich gern Zeit mit dieser Person verbringen, obwohl ich nicht gern koche und so weiter. Ich mag das alles gern und trotzdem freue ich mich auf das geplante Nichtstun. Was spricht dagegen beides zu tun?  Ich möchte lieber nichts tun, doch ich will nicht als unhöflich gelten. Dann ist dies auch eine Entscheidung, wenn ich sie bewusst getroffen habe. In dem ich ja sage zu der Frage in meinem Leben, kann ich meine Wahlmöglichkeiten sichten und mich bewusst entscheiden ganz ohne Zweifel und Selbstkritik. Ein Schritt zu mehr Selbstvertrauen und -akzeptanz. Eine wirklich große Herausforderung. Doch ab und an gelingt es und fühlt sich wirklich gut an.

Birgit

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