Angst etwas zuverpassen
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Angst etwas zu verpassen?

Ich weiß nix und das vollumfänglich. Tja, und trotzdem schreibe ich immer mal wieder einen Artikel. Manchmal habe ich eine Ahnung, dass alles anders ist, als es scheint. Und etwas zu formulieren und zu teilen hilft mir es besser zu begreifen.

Ich nehme die Anregung aus dem Kommentar von Hubert zum Artikel http://www.sunandeasy.de/2017/01/17/unzufriedene-situation/   auf und stelle meine “Ahnungen” zur Diskussion und freu mich über alle Kommentare.

Hubert und ich tauschten uns letztens aus zum Thema “Was macht das Handy mit uns und mit unserer Kommunikation?”

Irre spannendes Thema.

Seit ca. 20 Jahren gibt es das Handy. Davor gab es nur Festnetztelefone. Rief ich jemanden an, gab es eine Wahrscheinlichkeit, dass die entsprechende Person nicht anwesend war. Das heißt, meine Erwartungshaltung war nicht, die Person muss jetzt das Telefon abnehmen.

Genauso ist der Telefonbesitzer nicht davon ausgegangen, dass er jedes Klingeln hört, weil er war ja nicht immer im Haus, das heißt sein Anspruch war nicht, jedes Telefonat entgegenzunehmen.

Wie hat sich die Erwartungshaltung geändert? Ich rufe jemanden auf seinem Handy an und meine Erwartung ist, er nimmt das Telefon ab, weil Handy hat man immer dabei.

Nimmt die Person nicht ab, obwohl ich weiß, er hat im Normalfall immer sein Handy dabei, fange ich wahrscheinlich an darüber zu spekulieren, warum nimmt die Person den Anruf nicht an. Nunja, oder ich denke, darüber gar nicht nach und versuche es einfach später wieder.

Das was ich, als Anrufer darüber denke, warum die angerufene Person nicht ans Handy geht, kann die angerufene Person nicht wissen, sondern ebenfalls nur spekulieren.

Welchem Anspruch will ich dann an mich als Handybesitzer gerecht werden? Immer wenn das Handy bimmelt nehme ich ab, weil ich ein netter Mensch bin oder weil ich möchte, dass die anderen denken, wow, dieser Mensch hat immer ein offenes Ohr für mich oder cool, die Person ist immer erreichbar oder die Angst etwas zu verpassen.

Doch wenn ich nur spekuliere kann, was die anderen denken, wenn ich das Bimmeln ignoriere, kann ich auch nur mutmaßen was die anderen denken, wenn ich immer ans Telefon gehe. Vielleicht auch gar nix?

Geht es nicht immer darum, dass wir einen Anspruch an uns selbst haben, wie wir von unserer Umwelt wahrgenommen werden wollen?

Da wir das Denken unserer Umwelt nicht beeinflussen und kontrollieren können, ist doch jeglicher Anspruch der mit der Außenwelt verknüpft ist reine Vermutung und somit unsinnig.

Und  jetzt taucht sicher die Frage auf: Warum soll ich dann überhaupt einen Anruf entgegen- nehmen?

Ist nicht meine eigene Motivation das ausschlaggebende Motiv? Wenn es mir Spaß macht oder ich einfach neugierig bin, was mir die anrufende Person zu erzählen hat, nehme ich den Hörer ab. Möchte ich in meiner Arbeit oder auf einem Spaziergang nicht gestört werden, schalte ich es ab oder ignoriere es.

Ähnlich verrückt ist es mit WhatsApp, SMS, Mail Nachrichten. Gibt es einen Knigge oder festgelegte Regeln, in welcher Zeit ich antworten muss, kann oder darf?

Will ich meinem Anspruch gerecht werden, den ich niemals erfüllen kann, weil ich das Denken meiner Umwelt nicht kontrollieren kann oder folge ich meiner Motivation?

Deshalb finde ich es sehr hilfreich bei mir selbst zu bemerken, ob ich einen Anspruch an mich habe und welche Motivation dahinter steckt.

Ist Dir dieser Unterschied zwischen Anspruchsdenken und eigener Motivation auch schon mal aufgefallen?

Birgit

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4 Kommentare

  1. hubert egartner

    Anspruchsdenken versus eigener Motivation:

    Oh ja, es kann nicht nur sein, nein – es ist so. Mein Anspruchsdenken (wie du es nennst) ist manchmal – eventuell öfter – getrennt von meiner eigenen Motivation.

    Ich spüre das so:
    Mein Anspruch wäre bzw. ist, allen und allem gerecht zu werden. Wenn ich das schaffe, werde ich lange überleben. Solange, wie ihr (außerhalb von mir) entscheidet, dass ich brauchbar bin. Weil ich (zumindest einem Teil eurer) Ansprüche gerecht wurde und werde.

    Meine Motivation könnte genau die gleiche sein. Dann wäre ich glücklich. Stimmts? Wenn meine einzige Motivation die wäre, euren Ansprüchen gerecht zu werden, und ich das auch mehrheitlich könnte, wäre ich ein glücklicher Mensch.

    Was aber, wenn ich eine ganz andere Motivation in mir spüre? Was, wenn ich meine eigene Motivation immer hintan stellen musste, nur um euren Ansprüchen gerecht zu werden? Was, wenn ich meine eigene Motivation noch nie hinterfragen konnte, weil ich mit der Erfüllung „eurer“ Ansprüche all zu sehr beschäftigt war?

    Ist es meine Motivation, euren Ansprüchen gerecht zu werden???

    ?????
    Hubert

    • sunandeasy

      Ich empfinde es wirklich schwierig, dass zu trennen, was ist der Anspruch von außen, den ich gern erfüllen möchte
      und was wäre meine eigene Motivation. Oft, meist ist es wirklich meine Motivation, den Ansprüchen der anderen gerecht
      zu werden, weil ich gar nicht weiß, was meine Motivation ist.
      Interessant ist es aber, wenn ich mal innehalte und die Frage mir selbst stelle, würde ich sogar genau das gleiche tun,
      doch mit einer anderen Motivation und das Ergebnis ist viel zufriedenstellender.
      Ich würde behaupten, Du bist der glücklichste Mensch, wenn Du aus Deiner Motivation handelst. Ich empfinde es so, wenn es mir denn mal gelingt.
      Doch ich bin erzogen wurden, es dann anderen Recht zu machen Eltern, Schule, Arbeit, Fanilie, Kinder, Freunde etc. Demnach ist es verdammt schwer, eine
      andere Sichtweise einzunehmen.
      Was würde passieren, wenn wir immer die Frage stellen „Will ich einen Anspruch der anderen erfüllen oder gibt es noch eine andere Motivation?“ ? Wäre ich dann gelassener
      und zufriedener????

      LG Birgit

    • Ich weiß es nicht, ich denke die Motivation?

      Warum unterhalten wir uns eigentlich darüber?
      Mein Ausgangspunkt ist, dass ich dauernd versuche alle glücklich zu machen und es mir nur selten gelingt. Folglich muss an diesem Anspruch irgendetwas “falsch” sein.
      Doch was?
      Wenn ich davon ausgehe, dass es in der Kommunikation zwischen uns Menschen noch eine andere Ebene gibt, die ich statt eines besseren Wortes mal “Energie” nenne, ist es gar nicht möglich den Anspruch die anderen glücklich zu machen zu erfüllen.

      Was passiert?
      Beispiel: Du schreibst eine Nachricht an mich und erwartest eine sofortige Antwort von mir 😉 .

      Was kommt dann bei mir an? Nicht nur deine Nachricht, sondern auch deine Erwartung.
      Ich empfange deine Erwartungshaltung und wie reagiere ich?
      Ich fühle mich unter Druck gesetzt deine Erwartungen zu erfüllen oder ich gehe in die Opposition, nee ich erfülle nicht mehr die Erwartungen anderer. Doch ich schaue nur auf das, was ich von Dir empfange und reagiere völlig auf Autopilot.
      Kann ich anders reagieren als automatisch?
      Ja, ich kann innehalte und mir überlegen, wie ich deine “Energie” erwidern möchte, ich muss nicht automatisch darauf reagieren. Ich kann mich einfach freuen über deine Nachricht ohne auf deine “Erwartungsenergie” zu reagieren.

      Weißt Du, was mein Ideal wäre? Ich freue mich über alle Nachrichten und Telefonate, weil es doch schön ist, wenn alle an mich denken und ich entscheide für mich, ob es passt jetzt oder später zu antworten.

      Die Frage die sich mir stellt: Wie schaffe ich es, mich über alle Nachrichten zu freuen, statt automatisch auf die damit verbundenen Erwartungen zu reagieren?

      LG
      Birgit

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